Zuhören & Erinnern im Nachtasyl: Perspektiven zum Ukraine Krieg
Information der Veranstalter
ZUHÖREN: Ukrainische Stimmen im Gespräch
ERINNERN: „Verbotene Gefühle in Zeiten des Kriegs“ von Mädchen vom Jupiter
24.2.26, Thalia Nachtasyl
Der Krieg im Osten der Ukraine begann im Frühjahr 2014 zwar lange vor dem 24. Februar 2022 mit der massiven Eskalation der russischen Armee. Wir wollen aber am 24. Februar 2026 an diese groß angelegte Invasion der russischen Truppen in die Ukraine erinnern.
Zu diesem Anlass lädt das Thalia Theater in der Reihe ERINNERN zu einem Abend im Nachtasyl ein, der sich gegen ritualisierte Formen des Gedenkens stellt, dabei auf politische Parolen, programmatische Einordnungen oder strategische Debatten verzichtet. Stattdessen richtet sich der Blick auf das Innere des Krieges. Was bleibt, wenn der Lärm der Schlagzeilen produziert, verstummt. Welche Gefühle finden im öffentlichen Diskurs keinen Platz? Dazu werden biografische Brüche wiedergegeben, die sich nicht erzählen lassen, ohne zuzuhören.
Im Zentrum des Abends steht die Lesefassung des dreisprachigen Dokumentartheaterprojekts Verbotene Gefühle in Zeiten des Kriegs (http://postkartell.org/verbotene-gefuehle-in-zeiten-des-kriegs-ein-projekt-des-kunstkollektivs-maedchen-vom-jupiter/) des Kunstkollektivs Mädchen vom Jupiter. Ukrainische, russische und deutsche Stimmen begegnen sich auf einer Bühne. Grundlage des Textes sind Interviews, die seit 2023 in mehreren Zyklen geführt wurden. Menschen, die gekämpft haben oder aus dem Krieg zurückkehren, Menschen, die in Russland unter Repressionen leben oder Formen von Mikro-Widerstand entwickeln, sowie Menschen im europäischen Exil, die zwischen Solidarität, Erschöpfung, Schuld und Hoffnung ringen. Erzählt wird keine Chronik militärischer Ereignisse, sondern eine Geschichte der inneren Zustände: von Angst und Wut, von Scham und Schuld, von Sehnsucht, Begehren, Überlebenswillen, Erschöpfung und manchmal auch von Momenten unerwarteter Freude. Dass diese Stimmen hörbar werden, die selten Raum bekommen, ist das Besondere an diesem Abend. Für diese besondere literarische und performative Kraft wurde das Projekt 2025 mit dem Hamburger Literaturpreis in der Kategorie „Drama und Experimentelles“ ausgezeichnet.
An die Lesung schließt sich ein Gespräch der Reihe ZUHÖREN an. Beteiligte und Betroffene sprechen in Kooperation mit dem Ukraïne Haus Hamburg (https://www.haus-ua.de/de) über ihre persönlichen Erfahrungen mit einem Leben im Ausnahmezustand. Es geht um innere Zerrissenheit, über Loyalitätskonflikte, Sprachlosigkeit und die Erosion von Vertrauen, aber auch über Formen von Resilienz, über kleine Gesten der Nähe und über das Aushalten widersprüchlicher Gefühle. Das Gespräch versteht sich nicht als Debatte oder therapeutischen Raum, sondern als Einladung zum aufmerksamen, nicht-wertenden Zuhören. Der Abend öffnet damit einen Raum für ein vielstimmiges, fragiles und zugleich kraftvolles Erinnern, das Komplexität zulässt und Ambivalenzen nicht auflöst.
Es geht nicht um einen historisch-politischen Rückblick, sondern um das Ankommen und Leben in Hamburg. Es geht um das Ernstnehmen individueller Erfahrungen jenseits nationaler Zuschreibungen und politischer Lager, um das Aushalten von Uneindeutigkeit und um die Frage, wie Zuhören selbst zu einer Form von Verantwortung werden kann.
Alle Angaben ohne Gewähr. Diese Informationen wurden aus dem Facebook-Event oder von der Webseite der Veranstalter übernommen und werden nicht automatisch aktualisiert. Über die oben angegebenen Links in den Event-Details kannst du herausfinden, ob sich etwas zu dem Event geändert hat.
