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Ausstellungen in Hamburg: Was du im August nicht verpassen darfst

Theresa (27) ist Redakteurin, ehemalige Kunststudentin und fühlt sich zwischen Museumshallen und Galerieräumen zuhause. Auch wenn sie heute lieber in ihrer Freizeit malt als im Studium, hat sie ihre Liebe zur Kunst nie verloren. Jeden Monat empfiehlt sie die spannendsten Ausstellungen der Stadt – von großen Publikumsmagneten bis zu kleinen Entdeckungen, an denen du sonst vielleicht vorbeigelaufen wärst.

Geballte Girlpower im Museum der Arbeit: Die Fotos von Franki Raffles

Frauen in der Sowjetunion
Franki Raffles EstateÖffnet ein neues Browser Tab

Die Ausstellung im Museum der Arbeit holt das Werk einer Ausnahmefotografin zum ersten Mal nach Deutschland, die ab jetzt ganz oben auf meiner Vorbilderliste steht. Franki Raffles (1955-1994) war eine Dokumentarfotografin und Aktivistin, die Ungerechtigkeiten (insbesondere dem Sexismus) weltweit den Kampf ansagte. Nach ihrem frühen Tod mit 39 Jahren schlummerten 40.000 Negative über zwei Jahrzehnte im Kleiderschrank ihrer Familie. Erst ab 2015 haben Forschende der Edinburgh Napier University und das Archiv der University of St Andrews angefangen, diesen Schatz wissenschaftlich zu bergen. Die Britin zeigt Frauen nicht als passive Models, sondern als Macherinnen: beim Schuften in schottischen Fabriken, beim harten Alltag in der sowjetischen Landwirtschaft oder im Chaos des eigenen Haushalts. Sie schenkt die Aufmerksamkeit also genau den Frauen, die in den Geschichtsbüchern und Magazinen sonst unsichtbar bleiben, nämlich Müttern, Hausfrauen und Arbeiterinnen. Weil die Ausstellung die Schwarz-Weiß-Fotografien mit O-Tönen und Interview-Zitaten der Frauen verknüpft, bekommen sie nicht nur ein Gesicht, sondern auch eine Stimme.

Das „Marvel-Duo“ der Kunstwelt: Neo Rauch & Rosa Loy sprechen mit ihren Bildern

Rosa Loy, Neo Rauch.
Uwe Walter / VG Bild-KunstÖffnet ein neues Browser Tab

Neo Rauch und Rosa Loy sind für die Kunstwelt das, was Angelina Jolie und Brad Pitt in der Filmwelt waren. Oder John Lennon und Paul McCartney für die Musik. Die Ausstellung im Ernst Barlach Museum Wedel zeigt über 50 Werke aus den Jahren 1999 bis 2023 des berühmten Künstler:innen-Paares. Der Weg nach Wedel lohnt sich: Viele dieser Arbeiten sind zum allerersten Mal in dieser Kombination in Deutschland zu sehen. Es sind Geschenke und Liebesbeweise, die bisher größtenteils unzugänglich in privaten Wohnräumen hingen. Beim Rundgang hast du automatisch das Bild vor Augen, wie die beiden am Küchentisch sitzen und sich gegenseitig inspirieren. Achte mal darauf, wie sie ähnliche Themen verhandeln, ohne ihren eigenen Stil aufzugeben: Rauchs geheimnisvolle Mythenwelten neben Loys harmonischer Weiblichkeit. Die beiden sind wohl das perfekte Beispiel dafür, wie aus zwei kreativen Köpfen eine noch größere Schwingung entstehen kann: Beide besitzen getrennte Ateliers, doch arbeiten Tür an Tür in der ehemaligen Leipziger Baumwollspinnerei – eine Partnerschaft, in der man sich Freiraum lässt und gegenseitig ergänzt. Schon deshalb lohnt sich der Besuch besonders für Paare – als Erinnerung daran, dass wahre Verbundenheit dort wächst, wo man dem anderen Raum zum Atmen gibt.

Gartenkunst oder Größenwahn? Wie die High-Society damals die Natur zähmte

Jenisch Haus
Jérome GerullÖffnet ein neues Browser Tab

Wenn du an den Prachtvillen der Außenalster oder in den Elbvororten vorbeispazierst, fällt eines sofort auf: millimetergenau getrimmter Rasen, akkurat gestutzte Buchsbäume und der lautlose Kampf der Mähroboter. Der Drang, Natur pedantisch zu ordnen, hat eine lange Tradition. Nicht umsonst gibt es in der Hamburger Kunsthalle ganze Räume, die nur Landschaftsgemälden gewidmet sind, voller feiner englischer Gärten. Genau diese obsessive Leidenschaft, die im 18. Jahrhundert europaweit als “Parkomanie” grassierte, zeigt die Schau “Parkomania” im Jenisch Haus. Auf rund 300 Quadratmetern dokumentiert sie die Sammelwut der damaligen Elb-Barone: Du entdeckst historische Dokumente über gigantische Orchideensammlungen und exotische Pflanzen, die damals unter extremem Aufwand aus aller Welt per Schiff nach Hamburg importiert wurden. Gleichzeitig beleuchtet die Ausstellung in Hamburg die Verflechtungen der Parkbesitzer mit dem kolonialen transatlantischen Handel, zeigt die Nutzung des Geländes in der NS-Zeit und schlägt den Bogen zu modernen Ökosystemen und dem heutigen Naturschutz im angrenzenden Flottbektal. Sobald du aus dem Museum trittst, stehst du im größten Exponat überhaupt – dem Jenischpark selbst.

Das unzensierte Tagebuch einer Generation: Nan Goldin auf dem Sommerfestival

Paar im Schlafzimmer
Nan GoldinÖffnet ein neues Browser Tab

Ich oute mich direkt: Nan Goldin zählt für mich zu den stärksten Fotografinnen aller Zeiten. Kaum jemand hat die Kamera als Waffe, Tagebuch und Liebeserklärung zugleich genutzt. Noch dazu ist diese Ära zwischen dem New York und Berlin der späten 70er und 80er Jahre einfach spannend, die Goldin mit einem unglaublichen Gespür für Farbe (dieses warme, fast glühende analoge Licht) porträtiert. Im Rahmen des Kampnagel Sommerfestivals flirrt nun eine der wichtigsten Arbeiten der Fotogeschichte über die Leinwand: Goldin’s Diashow “The Ballad of Sexual Dependency". 45 Minuten lang rattern 694 Kleinbilddias im Takt eines Soundtracks durch den Raum, der einen schwindelfrei von der großen Operndramatik einer Maria Callas in die verrauchten Underground-Keller von The Velvet Underground wirft. Die Aufnahmen zeigen das Menschsein in seiner reinsten Form: die pure Ekstase durchtanzter Nächte und die tiefe Intimität der Liebe, aber auch die Realität von häuslicher Gewalt und die erschütternde Ohnmacht der AIDS-Krise. Wenn du ein Auge für Ästhetik hast, wirst du diese Geburtsstunde der Snapshot-Fotografie lieben – jenen unperfekten Stil, der bis heute Instagram-Filter oder Mode-Kampagnen prägt.

Auf einen Drink mit Franz Christian Gundlach in den Deichtorhallen

Nackter Mann mit Coffeetable
Jimmy DeSanaÖffnet ein neues Browser Tab

In den Deichtorhallen wartet eine besondere Rezeptur auf dich: “Cocktail Prolongé: F.C. Gundlach Special” bringt rund 300 Werke aus Franz Christian Gundlachs privater Sammlung zusammen und mixt gegensätzliche Epochen von 1900 bis heute, radikale Stile und unterschiedliche Materialien in einem Glas. Dieser visuelle Longdrink offenbart bei jedem Blick völlig andere Zutaten, wobei besonders queere Perspektiven und die unzensierte Lebensrealität der Queer-Community ab den 1970er-Jahren eine Hauptrolle spielen. Auch Arbeiten von Weltstars der Fotografie wie Cindy Sherman, Richard Avedon, Diane Arbus oder Robert Mapplethorpe sind dabei. Dabei zeigt diese Ausstellung in Hamburg Gundlach ausnahmsweise mal nicht in seiner bekannten Rolle als Star-Modefotograf, sondern blickt tief in seine Seele als Kunstsammler. Übrigens: “Cocktail Prolongé“ steht im Französischen für einen verlängerten Umtrunk. Gundlach hat früher nämlich seine Leute auf einen Drink eingeladen – die perfekte Aufforderung, es ihm gleichzutun und dich nach der Ausstellung mit deinen Freund:innen bei einem Drink auszutauschen.

Stickereien, Beats & alte Fotos: Der Peru-Remix im MARKK!

Schwarz Weiß Foto einer Frau
MARKKÖffnet ein neues Browser Tab

Im Museum musst du immer leise sein? Das MARKK dreht die Geschichte lautstark auf links. Vor über 100 Jahren reiste der deutsche Forscher Hans Heinrich Brüning durch Nordperu und hielt das Leben der indigenen Gemeinschaften in Schwarz-Weiß-Fotografien und Wachswalzen-Tonaufnahmen fest. Statt diese Schätze im Archiv schlummern zu lassen, verwandelt die Ausstellung in Hamburg sie in ein zeitgenössisches Kunstprojekt. Peruanische Künstler:innen, queere Aktivist:innen und lokale Communities haben sich die kolonialen Bilder geschnappt, um sie neu zu interpretieren und sich ihre eigene Geschichte zurückzuholen. So verschmelzen die historischen Aufnahmen mit leuchtenden Farben, traditionellen peruanischen Stickereien und queeren Symbolen, die Fragen zu Identität und Widerstand aufwerfen. Noch eindrucksvoller macht sie der Sound: Moderne Beats wummern durch die Räume und lassen die bunten Fotos noch intensiver und dreidimensionaler wirken. Statt starr von Exponat zu Exponat zu schleichen, bewegst du dich im Takt der Musik – fast so, als würdest du live in ein Musikvideo eintauchen!

  • Bilderechos aus PeruÖffnet ein neues Browser Tab
  • 📍 Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt (MARKK)
  • 🎟️ ab 6 €
  • 📅 05.06.2026 - 28.06.2027
  • 🎨 Fotografie, Tonaufnahmen, Skulpturen
  • 🚶‍♀️ Am 22. September findet eine Lesung und ein Gespräch mit der peruanischen Autorin Gabriela Wiener und den Kurator:innen von „Bilderechos aus Peru“ statt.

Diese Ausstellung in Hamburg zeigt Body Positivity bevor es ein Hashtag wurde

Outfits auf Schaufensterpuppen
Henning RoggeÖffnet ein neues Browser Tab

Als Kunststudentin dachte ich, ich hätte in Sachen Upcycling schon vieles gesehen – bis ich in dieser Ausstellung in Hamburg war. Das Museum für Kunst und Gewerbe holt die schrillen Looks von Dua Lipa, Halle Berry und Rihanna auf 25 Schaufensterpuppen. Was der Designer Lamine Badian Kouyaté mit seiner Kombination aus Sportkleidung und dem Stil der Pariser Haute Couture hier zeigt, beweist pure Kreativität: Da hängen alte NFL-Sportshirts, die schräg angeschnitten und mit elastischen Stoffen zu heißen Runway-Kleidern kombiniert wurden. Anstatt die Nähte zu verstecken, macht leuchtend roter Overlock-Garn sie zu High-Fashion-Statements. Zeitdokumente und Videos seiner legendären Modenschauen in den 90ern auf offener Straße zeigen die Kollektionen in voller Bewegung. Das Label des Designers, „XULY.Bët“, bedeutet in der westafrikanischen Sprache Wolof übrigens so viel wie „Mach deine Augen weit auf“. Und genau das passiert dir beim Betreten der Ausstellung.

Foto-Pionier trifft Licht-Poet: Struktur-Verliebt in dieser Ausstellung in Hamburg

Aquarellmalerei einer Meeresszene
Eduard BargheerÖffnet ein neues Browser Tab

Magst du lieber Malerei oder Fotografie? Wenn du dich genauso wenig entscheiden kannst wie ich, wird diese Hamburger Ausstellung genau deinen Geschmack treffen. Das Bargheer Museum, mitten im Jenischpark, bringt zwei norddeutsche Meister des 20. Jahrhunderts zusammen: den Fotografen Alfred Ehrhardt (1901-1984) und den Maler Eduard Bargheer (1901-1979). Beide verband eine tiefe Faszination für die Formgesetze der Natur. Ehrhardts neusachliche Schwarz-Weiß-Fotografien vom Wattenmeer haben mich regelrecht hypnotisiert – beim Hinsehen meinte ich fast, das Salz auf den Lippen zu schmecken und den kalten Nordseewind zu spüren. Bargheer wiederum schlägt den umgekehrten Weg ein: Er löst die Landschaften der Elbe und seiner späteren Wahlheimat, der italienischen Insel Ischia, in ein harmonisches Mosaik aus Linien und Farben auf. Am Ende zeigen beide Künstler auf eindrucksvolle Weise, dass die Natur ihre Muster unendlich wiederholt – ganz egal, ob du durch eine Kameralinse blickst oder den Pinsel schwingst.

Von Knoten, Körben und Kultur-Brücken: Damien Ajavon wirbelt das MK&G auf

Damien Ajavons Werke im MK&G
Henning RoggeÖffnet ein neues Browser Tab

Im MK&G zeigt Damien Ajavon in der Einzelausstellung „Threads of Becoming: Shifting Matter and Form in Translation“, wie Textilien zu einer eigenen Sprache werden. Als afropäische:r Künstler:in mit senegalesischen und togolesischen Wurzeln lebt und arbeitet Ajavon in Oslo. Während einer sechsmonatigen Künstlerresidenz hat Ajavon die historischen Sammlungen des Hauses neu gedacht und lässt nun deren riesigen Textilkunstwerke in einen Dialog mit der Vergangenheit treten. Die dreidimensionalen Arbeiten nehmen Bezug auf Schätze des Museums wie ostasiatische Keramiken oder Metallarbeiten aus der SWANA-Region (Südwestasien und Nordafrika). Dabei verwebt und verknotet Ajavon organische Materialien wie Bananenfasern, Sisal, Palmenblätter und Baumwolle, die mit traditionellen afrikanischen Färbetechniken bearbeitet wurden. Das Besondere: Die Kunstwerke hängen völlig frei im Raum. Sie bewegen sich im Luftzug, werfen Schatten an die Wände und wirken fast lebendig, als würden sie organisch wachsen – eine Ausstellung in Hamburg, bei der du gerne den Faden verlierst.

In der Kunsthalle führen Lassnig und Munch Deep Talk ohne Worte

Die Einsamen von Munch
Hamburger KunsthalleÖffnet ein neues Browser Tab

Die Hamburger Kunsthalle feiert aktuell ein geniales Match. Die Österreicherin Maria Lassnig und der norwegische Expressionist Edvard Munch treffen in einer großen Doppelschau aufeinander. Obwohl ein halbes Jahrhundert zwischen ihnen liegt, verhandelten sie dieselben existenziellen Krisen: Einsamkeit und Entfremdung, Krankheit und Vergänglichkeit, die Suche nach dem Selbst – und diese Themen übertragen sie direkt auf die Leinwand. Die 13 Kapitel der Ausstellung jagen dich durch ein Wechselbad der Gefühle und zeigen, wie grandios die Bilder der beiden miteinander flirten. Dabei könnten die Stile der zwei Genies kaum unterschiedlicher sein: Lassnig mit ihren radikalen Körperbildern, Munch mit seinen düsteren Seelenlandschaften. Letzteren kennen wahrscheinlich die meisten aus dem Kunstunterricht, trotzdem sind es vor allem Lassnigs grelle Gemälde, die mich sehr berührt haben. Sie stehen dem berühmten Expressionisten nichts nach, im Gegenteil: Vielleicht sind sie der geheime Star dieser Ausstellung in Hamburg.

Gönn dir eine Portion Zen: Entschleunigung auf Japanisch im MKG

Vulkan
MK&GÖffnet ein neues Browser Tab

Das MK&G beamt dich direkt ins Land der aufgehenden Sonne: Bei der Ausstellung „Inspiration Japan“ schlenderst du vorbei an kunstvollen Bambuskörben, edler Keramik und echten Samurai-Schwertern. Das Highlight sind die Holzschnitte der Sammlung Walter Gebhard, die dich in die quirlige Edo-Zeit katapultieren. Du wirst staunen, wie frech und modern diese Jahrhunderte alten Werke wirken und wie sehr sie damals schon europäische Maler-Genies wie Van Gogh den Kopf verdreht haben. Im zweiten Geschoss kannst du zwischen den zarten Botanik-Grafiken und Blumenmalereien so richtig runterkommen. Oder du schaust im Erdgeschoss, im Teeraum, vorbei. Obwohl die Ausstellung in Hamburg schon mehr als zwei Jahre läuft, lohnt sich der Besuch: Das Museum tauscht alle vier Monate die Exponate, weil die jahrhundertealten Papier- und Textilschätze so lichtempfindlich sind.

Lenins Hirn in Scheiben: Was seine Krankenakte in einer Hamburger Ausstellung sucht

Militärarzt mit Pantostat
Medizinhistorisches MuseumÖffnet ein neues Browser Tab

Man nehme: Ein Gehirn in dünnen Scheiben, ein paar Elektroschock-Geräte und eine kräftige Prise sowjetischer Propaganda. Fertig ist das Rezept für eine Sonderausstellung im Medizinhistorischen Museum, die nichts für schwache Nerven ist. Im Scheinwerferlicht steht eine sensationelle Entdeckung aus dem Archiv des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE): die originale Krankenakte von Wladimir Iljitsch Lenin! Du blickst direkt auf die handschriftlichen Notizen des Hamburger Neurologen Max Nonne, der 1924 an Lenins Totenbett im russischen Gorki saß. Neben diesen brisanten Dokumenten siehst du die gruseligen Werkzeuge der damaligen Hirnforschung, historische Mikroskope und echte Gewebepräparate – quasi das Making-Off von Lenins zerschnittenen Gehirn, das heute in Russland hinter verschlossenen Türen liegt. Heißt für dich: Eine spannende Mischung aus True Crime, Medizingeschichte und politischer Propaganda!

  • Lenins Tod. Eine SektionÖffnet ein neues Browser Tab
  • 📍 Medizinhistorisches Museum Hamburg, Martinistraße 52, 20246 Hamburg
  • 🎟️ ab 4 €
  • 📅 14.02.2025 – 17.01.2027
  • 🎨 Archivmaterial, Fotografie, Objekte
  • 🚶‍♀️ Mittwochs gibt es um 18 Uhr einen kostenlosen Vortrag im Hörsaal des Museums.

Woher hatte Pippi ihr Gold? Die Ausstellung im MARKK erzählt die wahre Geschichte

Schwarz-Weiß-Foto von Carl Pettersson
MARKKÖffnet ein neues Browser Tab

Pippi Langstrumpf war früher meine Kindheitsheldin: Eine echte Querdenkerin – frech, frei und furchtlos. Umso gespannter war ich auf die Ausstellung im Hamburger MARKK, die dich mit auf eine Reise zum Taka-Tuka-Land nimmt und sich um die Familie des Mädchens aus der Villa Kunterbunt dreht. Genauer: Um Pipis Papa, einen “Südseekönig” mit Beigeschmack, der über die indigene Bevölkerung herrschte und Pippis unbeschwertes Leben finanzierte. Die Schau ist auch für Erwachsene interessant, weil sie das Geheimnis um die wahre Vorlage von Kapitän Langstrumpf lüftet: den schwedischen Seefahrer Carl Pettersson (1875–1937). Dieser erlitt tatsächlich Schiffbruch, ließ sich auf den Tabar-Inseln im Bismarck-Archipel nieder und baute Kokosplantagen auf. Die Gegenüberstellung von Buchillustrationen, Archivdokumenten und pazifischen Kunstwerken regt zum Nachdenken an, wenn du das nächste Mal durch Kinderbücher blätterst. Die Kleinen wiederum dürfen über Rampen und Rutschen balancieren, alte Seekarten entdecken und in Pippis Fußstapfen treten.

Klimts Kuss im Großformat: Das perfekte Date für Paare (und alle, die es werden wollen)

Theresa im Port des Lumières
Port des LumièresÖffnet ein neues Browser Tab

Normalerweise bin ich die Erste, die die Augen verdreht, wenn Klassiker lieblos digitalisiert werden, aber die neue Gustav Klimt Ausstellung in Hamburg ist ein absoluter (Gold)Rausch! Im Port des Lumières erwachen die berühmtesten Meisterwerke des Wiener Jugendstils zum Leben. Du spazierst mitten durch die Gemälde hindurch, wenn die goldenen Ornamente im Takt einer Beethoven-Sinfonie oder einer Wagner-Ouvertüre über die Wände tanzen. Die einen nennen sie kitschig, die anderen finden sie wunderschön: Zu Klimts Bildern voller bunter Farben und opulenten Mustern haben wohl die meisten eine Meinung, ohne mit Kunst viel am Hut zu haben. Pärchen auf der Suche nach Romantik finden hier die perfekte Kulisse, um Klimts berühmten „Kuss“ nachzuahmen. Singles fläzen sich derweil auf eine der vielen Liegen und lassen die Seele in dieser visuellen Gold-Explosion baumeln. Und wer gerne fotografiert, entdeckt an jeder Ecke einen spektakulären Hintergrund für das nächste Bild im Instagram-Feed.

Echte Männer zeigen Gefühle: Detox für den Männlichkeitsmythos im PHOXXI

Ein Mann im Spiegel
Abdulhamid KircherÖffnet ein neues Browser Tab

Stell dir vor, du triffst nach vielen Jahren deinen Vater wieder. Er hat ein wildes Leben hinter sich, saß im Gefängnis und nahm viele Drogen. Was machst du? Abdulhamid Kircher griff zu einer analogen Kamera, die für ihn zum emotionalen Schutzschild und zur Brücke zugleich wurde. Über zehn Jahre lang hat er seine Familie zwischen Berlin und der Türkei begleitet. Seine Bilder, die nun im Rahmen der 9. Triennale der Photographie zu sehen sind, erzählen von Einsamkeit und vererbten Traumata, aber auch von der Sehnsucht nach Versöhnung. “Vielleicht bin ich es, der ihn zuerst lieben muss”, sagt der 30-jährige Künstler, der die Ausstellung in Hamburg gemeinsam mit seiner Partnerin Zoe Bullock auf die Beine stellte. Das Highlight ist eine neun Meter breite Wandinstallation. Wie ein riesiges Puzzle verwebt sie großformatige Abzüge von Farbfotografien mit handschriftlichen Notizen und alten Dokumente seines Großvaters – fast fühlt es sich so an, als würdest du in einem Tagebuch eines Freundes blättern. Diesen ehrlichen Trip musst du im temporären Haus der Photographie der Deichtorhallen selbst spüren!

Vier Etagen voller unbequemer Perspektiven: Die Fotos in der Sammlung Falckenberg fordern deinen Blick heraus

Farbfotografie eines Mannes mit Golfschläger
Anri SalaÖffnet ein neues Browser Tab

Lange war die Sammlung Falckenberg wegen Umbauarbeiten geschlossen, doch für die Triennale der Photographie sind die Türen wieder offen. Die erste Ausstellung in den frisch gestrichenen Hallen dreht sich um 80 internationale Künstler:innen unserer Gegenwart, die dir deine Kunstlehrer:innen wahrscheinlich nicht zeigten: Halil Altındere, Maja Bajevic, John Baldessari, Lewis Baltz, Victor Burgin, Claire Chevrier, Allana Clarke, Jeremy Deller, Valie Export, Dominique Gonzalez-Foerster und noch weitere. Die rund 170 Arbeiten vereint eine gemeinsame Haltung auf das Verdrängte, das Unerträgliche und das Sinnentleerte der Gesellschaft – Geschichte besteht eben nicht nur aus starren Fakten, sondern aus vielen Perspektiven. Du bist wiederum gefragt, deine eigene Meinung zu bilden. Hauptsächlich erwarten dich Fotos in dieser Hamburger Ausstellung, aber auch Videos und Installationen sind in den vier Geschossen der ehemaligen Fabrikhalle verteilt. Perfekt für alle, die etwas Neues sehen und ihren Horizont erweitern wollen – dafür reicht ein Besuch in die Sammlung Falckenberg!

Mataré begeistert mit seinen Tierplastiken in dieser Ausstellung in Hamburg

Gemälde von Mataré
Annegret GossensÖffnet ein neues Browser Tab

Süße Figürchen von Tieren könnte so mancher für Spielzeug halten, doch die Plastiken von Ewald Mataré (1887–1965) sind alles andere als albern: edle und grazile Formen, wunderschön glatt poliert und viel zu filigran für tollpatschige Kinderhände. Das heißt aber nicht, dass diese Ausstellung in Hamburg nicht für Kids ist – ganz im Gegenteil: Die Werke eignen sich bestens für hitzige Diskussionen über Lieblingstiere und die Eigenschaften, die wir mit ihnen verbinden. Der Künstler mit dem französisch klingenden Nachnamen ist ein deutscher Bildhauer, der mit Holzschnitten begann und schließlich mit angeschwemmten Fundhölzern übte, bevor er sich an den Figuren probierte. Ein bisschen siehst du diese Entwicklung in den Gesichtern der Tiere. Die Ausstellung “Nichts ohne Natur” im Ernst Barlach Haus versammelt nun 70 seiner tierischen Werke: Eine stehende Kuh aus Zink, ein liegendes Kälbchen aus Bronze oder ein aufgerichteter Bieber – alle nicht größer als wenige Zentimeter, das Talent des Künstlers umso beeindruckender.

Hamburg wird zur Foto-Hauptstadt: Die Deichtorhallen sind ein Muss!

Lee Shulman und Omar Victor Diop
Courtesy the artistsÖffnet ein neues Browser Tab

Vielleicht hast du davon mitbekommen: Momentan läuft vom 5. Juni bis zum 22. September die Triennale der Photographie und wie der Name schon verrät, findet sie nur alle drei Jahre in Hamburg statt – Pflichtveranstaltung für alle Foto-Nerds also. Dieses Mal lautet das geheimnisvoll klingende Motto “Alliance, Infinity, Love”, das von dem weltbekannten Jazz-Song „Nature Boy” inspiriert ist. Für das Herzstück der Triennale (insgesamt elf Ausstellungen in acht Museen) musst du in die Deichtorhallen. Statt langweiligen Postkarten-Landschaften siehst du hier Fotos von etwa 30 Künstler:innen, die an unterschiedlichen Orten leben und echte Gesichter ohne Filter zeigen: von Australien und Japan über den Libanon und Palästina bis Brasilien und Jamaika, von Südafrika über Belgien und Großbritannien bis Grönland. In den weiten Räumen wirken die fast 500 Werke (darunter auch Videos und Kurzfilme) besonders eindrucksvoll. Wer dann noch nicht genug hat, schaut sich die Ausstellung “Cocktail Prolongé: F.C. Gundlach Special” an – die befindet sich nämlich ebenfalls in der Halle für aktuelle Kunst.

Probesitzen erwünscht: Hör auf den Rat deiner Kinder bei dieser Ausstellung in Hamburg

Zwei Mädchen in der Stühle-Ausstellung
Patrick LipkeÖffnet ein neues Browser Tab

Hach, der olle Tripp Trapp! Was er über die Jahre schon alles erlebt hat: viel Kindergeschrei, etliche Umzüge, immer wieder weitervererbt an die nächsten Geschwister. Der Holzkinderstuhl ist ein Klassiker in deutschen Esszimmern. Doch ging es beim Kauf wirklich darum, ob die Kids ihn bequem finden oder eher um die einfache Handhabung oder den zeitlosen Look? Um diese Frage dreht sich die neue Ausstellung im Museum für Kunst & Gewerbe, welche nicht nur den Tripp Trapp sondern die volle Bandbreite an Kinderstühlen (über zwei Jahrhunderte!) präsentiert: von volkstümlichen Hochstühlen und Modellen des frühen 19. Jahrhunderts über Jugendstil- und Bauhaus-Objekte sowie Popdesign der 1960er-Jahre – ein ganzes “Stuhl-Meer” sozusagen. Unter den Exponaten tauchen echte Designikonen auf, darunter Mini-Versionen von Marcel Breuers berühmtem Freischwinger „B34 (3/4)“ oder Philippe Starcks „Lou Lou Ghost“. Bring deinen Schützling mit: Kinder dürfen in dieser Ausstellung in Hamburg probesitzen.

In dieser Ausstellung in Hamburg kommst du einem Blauwal ganz nah

Projektion eines Orcas
Port des LumièresÖffnet ein neues Browser Tab

Wasserratten aufgepasst: Wer sich abends eine Meeres-Doku zum Entspannen reinzieht oder mit sehnsüchtigen Blick die Taucherflossen im Keller anschmachtet, sollte sich diese immersive Ausstellung in Hamburg nicht entgehen lassen. Im Port des Lumières begibst du dich in die Welt der Meere, ganz ohne Taucherbrille oder Neoprenanzug: in tropische und eiskalte Gewässern wie die der Antarktis, in geheimnisvolle Wracks und verborgene Unterwasserhöhlen, von der Wasseroberfläche bis zu 300 Meter unter die Erde. Delfine, Haie, Schildkröten und Orcas begegnen dir als überdimensionale Projektionen aus rund 800 Originalaufnahmen – wann sonst kommst du einem Blauwal so nahe? Es hat etwas Verträumtes, wenn leuchtende Quallen ihre Bahnen ziehen oder unzählige Fische ein majestätisches Ballett tanzen. Unterdessen sorgt das Museum für die passende Musik: Walgesänge, Meeresrauschen und ein eigens komponierter Soundtrack machen den Besuch zu einem besonderen Erlebnis für alle Sinne (nur dass du trocken bleibst). Mit einem zusätzlichen Beitrag unterstützt du beim Ticketkauf das Startup Plastic Fischer, welches sich für den Schutz des Ozeans einsetzt – extra Karmapunkte für dich!

Noch mehr Lust auf Kunst? Wo sich die buntesten Galerien der Stadt verstecken, verraten wir dir hier.