Ein Tag im Grindelviertel: Lieblingsorte von früh bis spät
Jung, hip, lebendig – dafür ist das Grindelviertel bekannt. Die tausenden Studis der Uni Hamburg sorgen nicht nur leere Mate-Flaschen und vollgeparkte Fahrradständer, sondern auch für den internationale Vibe und frischen Wind in der Nachbarschaft. Wir sagen dir, wo es nie langweilig wird.
Ein Hauch von Hollywood: Im Abaton quatschen die Regie-Ikonen mit dir

Hinter der imposanten Altbaufassade am Grindelhof verbirgt sich seit 1970 der unbestrittene Arthouse-Tempel des Viertels. Als die Gründer Werner Grassmann und Winfried Fedder damals den Mut hatten, mitten im Kinosterben der 70er-Jahre eine alte Garage umzubauen, erfanden sie praktisch das Konzept des Programmkinos in Deutschland mit. Sie wollten Filme zeigen, die sie selbst spannend fanden – fernab der kommerziellen Filmpaläste. Das Experiment glückte und so wurde das Abaton zur Geburtsstätte des Neuen Deutschen Films: Junge, damals noch unbekannte Talente wie Rainer Werner Fassbinder oder Werner Herzog fläzten sich hier in die Sessel und feierten im Grindelviertel ihre allerersten Premieren. Auch heute flimmern viele Dokumentationen, kleinere Produktionen und internationale Originalfassungen mit Untertiteln über die Leinwände. Im Herbst mutiert der Allendeplatz zum pulsierenden Festivalzentrum für das Filmfest, wo mitunter Star-Regisseure wie Wim Wenders, Pedro Almodóvar oder Fatih Akin vorbeischauen.
Info: Abaton KinoÖffnet ein neues Browser-Tab, Allende-Platz 3, 20146 Eimsbüttel
Kultur ohne Eintritt, Kaffee ohne Aufpreis: Die Pony Bar ist die Lieblingsbar der Studis

Ist dein Studium schon ein bisschen länger her? In der Pony Bar kannst du studentische Leichtigkeit noch einmal einatmen, ganz ohne Prüfungsstress. Die Möbel sind ein zusammengewürfeltes Flohmarkt-Paradies, das zur Vintage-Liebe der jungen Generation passt: durchgesessene Retrosodas und samtige Clubsessel, die direkt in den großen Fensterbänken thronen und Logenplätze für den Blick auf das bunte Treiben draußen bieten. Hier treffen sich Studierende zum Anstoßen auf das Ende der Klausurenphase, zum produktiven Co-Working oder auf einen Koffeinkick zwischen zwei Vorlesungen. Gerade zum Semesterbeginn mutiert die Bar zum Epizentrum wilder Fachschaftspartys, bei denen der Laden abends rappelvoll ist. Nicht nur die Nähe zur Uni macht die Pony Bar zum Lieblings-Wohnzimmer der Jung-Akademiker:innen: Den Cappuccino gibt’s ohne Hafermilch-Aufpreis für kaum schlagbare 3,40 €, und auf der Bühne stehen regelmäßig Newcomer-Bands oder Jazz-Duos – natürlich komplett kostenlos.
Info: Pony BarÖffnet ein neues Browser-Tab, Allende-Platz 1, 20146 Eimsbüttel
Popsänger Shaham Joyce brennt jetzt für Mailänder Kaffeekunst

Nein, du hast dich nicht verguckt: Der Typ an der Siebträger, der dir gerade einen Cappucchino gezaubert hat, ist tatsächlich Shaham Joyce – manche Millennials kennen ihn noch aus seinen Zeiten als Teil der Band Bro’Sis. Heute betreibt der 47-Jährige zusammen mit seiner Familie das Café Benvenuto. Das Team arbeitet eng mit einem Rösterei in der Nähe von Mailand zusammen, wo die hauseigenen Kaffeemischungen nach italienischer Röstkunst veredelt werden, bevor sie frisch abgepackt den Weg nach Hamburg finden. Auch zum Shoppen lohnt sich der Besuch: Mattierte Milchkännchen in salbeigrün oder Zuckerdosen im Terrazzo-Look sind eine wunderbare Ergänzung für deine eigene Barista-Ecke, um nicht nur den Geschmack des Cappuchinos sondern auch die Ästhetik des stylischen Cafés nach Hause zu holen. Wenn deine eigene Siebträgermaschine mal streikt, bring sie einfach mit: In der Werkstatt repariert und wartet Shaham die Maschinen der Kund:innen und gibt Tipps für die perfekte Espresso-Extraktion zu Hause.
Info: Benvenuto Espresso GmbH & Co. KGÖffnet ein neues Browser-Tab, Heinrich-Barth-Straße 7-9, 20146 Hamburg
Im Tonali Saal gehen Klassik und wilde Experimente Hand in Hand

Wer in der musikalischen Vergangenheit schwelgen will, ist im Tonali-Saal falsch. Längst hat sich der Konzertsaal als „Musikzimmer der Nachbarschaft“ einen Namen gemacht und beweist, dass Klassik weder uncool noch elitär sein muss. Hier darf Musik provozieren, irritieren oder auch mal langweilen. Das liegt vor allem an den jungen Talenten auf der Bühne, die ihre Auftritte komplett in Eigenregie kuratieren und ihre Gedanken in interaktive, multimediale Erlebnisse übersetzen. Ihr frischer Blick auf ein Musikgenre mit langer Tradition lässt die Grenzen zum Publikum verschwimmen. Dazu trägt auch der Saal selbst bei: Mit gerade einmal 100 Plätzen auf schmucklosen Stühlen ist er wohl das Gegenteil zum Großen Saal der Elbphilharmonie: lässig, minimalistisch und intim, irgendwo zwischen Werkstatt, Salon und Profi-Studio. Du sitzt mittendrin statt nur davor – und erlebst die Stars von morgen aus nächster Nähe.
Info: TONALi SAALÖffnet ein neues Browser-Tab, Kleiner Kielort 3-5, 20144 Eimsbüttel
Bei Wen Cheng fliegen die Nudeln tiefer als die Flugzeuge über Hamburg

Seit einigen Monaten hat das Berliner Restaurant nun auch den Weg ins Grindelviertel gefunden: Am Grindelhof serviert Wen Cheng handgeformte Nudeln. In der offenen Showküche kannst du zuschauen, wie sich die Teigbahnen sekundenschnell in meterlange Stränge verwandeln. Sie fliegen durch die Luft, werden mit ordentlich Schwung gedehnt und auf die Arbeitsplatte geworfen – genau dieses laute Klatschen gab den berühmten „Biang Biang“-Nudeln einst ihren Namen. Du bekommst sie in vier Varianten: mit Rindfleisch, Lamm und Kreuzkümmel, Tofu, Aubergine und veganem Hack – alle mit Chili, Knoblauch, Koriander, Sichuanpfeffer gewürzt und mit heißem Öl beträufelt. Weil Streetfood keine Reservierungen kennt (und Studis zu Spontanität neigen), musst du auf einen der 50 Plätze an den quadratischen Tischen im Innenraum hoffen. Trotz des Hypes wartest du hier nie lange. Plan B ist die Terrasse, wo du auf knallblauen Hockern sitzt und das trubelige asiatische Gefühl eines Straßenmarktes aufkommt.
Info: Wen Cheng HamburgÖffnet ein neues Browser-Tab, Grindelhof 61, 20146 Eimsbüttel
Im mineralogischen Museum bist du dem Weltall näher als nirgendwo anders

Einmal echten Mars- oder Mondstaub mit eigenen Augen sehen? Oder vor einem fast halbe Tonne schweren Eisenmeteoriten stehen, der vor Urzeiten auf die Erde krachte? Um diese unirdischen Funde aus nächster Nähe zu betrachten, brauchst du kein Raumschiff. Das Museum der Natur ist eine galaktische Schatzkiste der Superlative: Über zwei Etagen entfaltet sich eine Welt, die Wissenschaftsbegeisterte, Sci-Fi-Nerds und Tagträumer:innen in ihren Bann zieht. In den beleuchteten Vitrinen glitzern fein geschliffene Diamanten, tiefblaue Saphire und feurige Rubine um die Wette, während daneben zentnerschwere Rohkristalle in ihrer rauen Urform aufragen. Das Prunkstück der Sammlung ist eine Sensation der jüngeren Zeit: die Originalfragmente des Meteoriten „Elmshorn“, der erst vor wenigen Jahren in einen schleswig-holsteinischen Garten stürzte. Das Beste an diesem geheimnisvollen Haus ist, dass es seine Türen für alle Neugierigen gratis öffnet.
Info: Museum der Natur Hamburg - MineralogieÖffnet ein neues Browser-Tab, Grindelallee 48, 20146 Hamburg
Frankreich trifft Indien: Im Kaalia bekommst du großes Kino auf fünf Tischen

Das Kaalia ist noch ein echter Geheimtipp für alle, die exquisites Essen bei entspannter Atmosphäre lieben. Seit 2014 rocken Ulf Lindeholz und Wiebke Basse das kleine Restaurant mit so viel Herzblut, dass sich ein Abend bei ihnen anfühlt wie ein Essen bei Freund:innen. Mit nur fünf Tischen, maximal zehn Gästen und einer offenen Küche bist du hautnah dabei, wenn Ulf den Kochlöffel schwingt. Getreu dem Motto „Wir kochen, was uns Spaß macht“ zaubert er klassisch französische Küche mit indischem Einschlag – kreativ, ungewöhnlich und immer eine Überraschung. Ob Fleisch, Fisch, vegetarisch oder (auf Voranmeldung) vegan: Jeder Gang ist eine Geschmacksexplosion aus regionalen Zutaten – und das für schmale 59,00 € im 3-Gänge-Menü. Wiebke serviert dazu biodynamische Weine und Naturweine. Noch ein Tipp: Mittwochs lockt das Weinbistro mit Bistrokarte zum Durchprobieren, und samstags gibt es von 12 bis 15 Uhr einen feinen Lunch.
Info: Restaurant | kaalia,Öffnet ein neues Browser-Tab Rentzelstraße 13, 20146 Eimsbüttel
Die Kammerspiele schütteln dich durch eine wilde Gefühlswelt

Wenn du mal wieder Lust auf eine Gänsehaut hast, die nichts mit kaltem Alsterwind zu tun hat, solltest du den Kammerspielen einen Besuch abstatten. Gegründet 1945 von der Theaterikone Ida Ehre als „Theater der Menschlichkeit“, verbindet die traditionsreiche Bühne an der Hartungstraße gesellschaftlich relevante Stoffe mit erstklassiger Unterhaltung. Das Programm gleicht einer emotionalen Achterbahnfahrt: Eben lachst du noch über schräge Komödien wie „Die Goldfische“, schon sitzt du gebannt bei einem musikalischen Showdown zwischen Bernstein und Karajan in „Last Call“. Selbst düstere Klassiker wie Büchners „Woyzeck“ oder E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“ bekommen in den Kammerspielen einen modernen Anstrich und schlagen eine Brücke zwischen Theatertradition und einem jungen Publikum. Auch der Geldbeutel darf aufatmen, denn für junges Publikum gibt es saftige Rabatte.
Info: Hamburger KammerspieleÖffnet ein neues Browser-Tab, Hartungstraße 9-11, 20146 Eimsbüttel
Schmökern, schlemmen, schnacken: Das Café Leonar ist ein Raum voller Geschichten

Mitten im Grindel wartet dein neuer Lieblingsort: Das Café Leonar verbindet gemütliche Kaffeehauskultur mit frischem Wind aus Tel Aviv. Deckenhohe Bücherregale und bequeme Sessel laden dazu ein, sich mit einem Buch und einem Milchkaffee zu verkrümeln. Kulinarisch setzt das Café auf eine levantinisch inspirierte Küche mit osteuropäischen Einflüssen. Das Frühstück ist bekannt für sein würziges Shakshuka, während am Nachmittag hausgemachte Mezze wie Hummus, Babaghanoush und Falafel zum Teilen bereitstehen. Wer großen Hunger mitbringt, greift zum Signature-Dish – Reuben’s Sandwich mit Pastrami und Sauerkraut – oder schnappt sich eine neapolitanische Pizza aus der hauseigenen Pizzabar. Was das Leonar so besonders macht, ist der Jüdische Salon im hinteren Bereich: Damit knüpft das Café mit regelmäßigen Lesungen, Diskussionsabenden und Vorträgen an die historische Intellektuellenszene des Viertels an.
Info: Café LeonarÖffnet ein neues Browser-Tab, Grindelhof 59, 20146 Eimsbüttel
Von Ozeanien nach Altona: Auf einen Sprung um den Globus im MARKK

Wer braucht schon teure Flugtickets, wenn an der Rothenbaumchaussee die ganze Welt wartet? Im MARKK schlurfst du in wenigen Schritten von den Weiten Ozeaniens in die Metropolen Asiens oder zu den Schätzen Afrikas und Amerikas. Als eines der größten ethnografischen Museen Europas hortet das Haus unzählige Kunstschätze. Unter dem Motto „Rückblick für Ausblick“ schaut das Team den eigenen Sammlungen genau auf die Finger, hinterfragt koloniale Weltbilder und regt uns dazu an, die eigene Komfortzone zu verlassen. Übrigens: Am ersten Donnerstag des Monats ist der Eintritt kostenlos, sogar schon ab 16 Uhr. Dank der vielen Workshops, Vorträge, Führungen und wechselnden Ausstellungen lohnt sich auch der zweite Besuch.
Info: MARKK Museum am Rothenbaum,Öffnet ein neues Browser-Tab Rothenbaumchaussee 64, 20148 Eimsbüttel
Genug im Grindelhof abgehangen, jetzt wird Eimsbüttel unsicher gemacht! Im Nachbarstadtteil gibt’s mindestens genauso viel zu erleben.